wie gruselig ist doch dieser ausdruck, der uns in der heutigen zeit immer öfter begegnet. woher ist er eigentlich gekommen?
tja, meine bisherige recherche hat nur einen guten zwiebelfisch-artikel zu tage gefördert. dort wird beschrieben, dass der begriff zeitnah wohl ursprünglich im wirtschafts- und banksektor zu hause war. schade, dass er da nicht geblieben ist und irgendwann vor einsamkeit gestorben ist.
den durchbruch hatte das wort aber wohl durch unseren ehemaligen berliner bürgermeister eberhard diepgen, ziemlich zeitnah mit der jahrtausendwende, nämlich 2001 (wir erinnern uns auch an die diskussion, wann die wende war - ja, der christ hat wohl kaum ein jahr NULL gehabt, von daher ist das alte jahrtausend auch erst mit ablauf des jahres 2000 beendet worden, aber das ist nun ein ganz anderes thema, welches (wenn man zeit hat) später betrachten kann).
so schlich sich also das wort auch in die politik und damit eben in die ganze gesellschaft ein, denn niemand bleibt davon verschont. ein jeder erledigt und dinge nicht mehr jetzt, gleich, später oder irgendwann, nein, es wird alles recht zeitnah vollzogen.
ja, wie nahe ist uns denn die zeit, die, die man nicht zu fassen bekommt, die uns unaufhörlich von dannen rinnt? kann etwas denn überhaupt nahe der zeit sein?
ich finde den begriff zeit an sich schon recht ausgelutscht. zu oft wird auch davon gesprochen, dass man ja nie zeit hätte für dieses oder jenes.
sicher hat das schon jeder von euch erlebt: ihr fragt einen bekannten oder freund, ob der denn sich mal wieder mit einem treffen möchte. statt einer plausiblen antwort, die wahr ist, ehrlich gemeint ist und einfach auch höflich genug ist, bekommt man nur so ne floskel wie “ich hab keine zeit!”. danke und tschüss!
ich frage ja nicht einmal, ob wir uns zeitnah treffen könnten, nein, ob wir uns überhaupt treffen können. nö, hab keine zeit. will ich das wissen?
und wenn wir ganz ehrlich sind, solche sätze sind doch nur ausreden; bloß nicht sagen, dass man einfach keine lust und laune hat. an zeit mangelt es dem deutschen doch eigentlich nicht. und wenn wir fragen, dann sicher mit der kenntnis, dass unser gegenüber sicher einmal einen moment seiner kostbaren freizeit mit uns zu verbringen. wir sind gesellschaftsmonster, wir brauchen andere wesen wie die unsrigen, um uns nicht ganz so allein zu fühlen.
ich gebe mit größte mühe, das wort zeit so wenig wie möglich zu verwenden. am besten gar nicht. ist öde und überstrapaziert.
wie meinte herr sick, es gibt sprachen, in denen das wort gar nicht vorkommt? schön, ich will sie lernen, sicher habe ich dafür bald einmal… nunja, was denn eigentlich? zeit?
ist schon komisch, wir leben so sehr in diesen strukturen, in denen der ablauf des tages, des jahres und eben allen ablaufs in takten festgehalten werden. so selten haben wir die möglichkeit aus unseren mustern des zeit-denkens auszubrechen.
ist das der preis der westlichen kultur? damit werde ich mich wohl zeitnah beschäftigen… *schüttel*















