schwule blogs? [6]

22:22 uhr

beim surfen bin ich mal wieder über das blog von timmTV gestolpert. und da war dann so ein beitrag zwecks schwuler blogs und so, naja lest selbst nach.

darunter fand und findet dann auch eine kleine diskussion statt, an der ich mich eben auch beteiligt habe.

das wichtigste daraus:

naja, also für mich gibt es weder schwule blog, noch schwule zeitungen, schwule literatur oder sonstwie schwule medien.

etwas abstraktes hat eben keine sexualität.

ich bin schwul, aber mein blog deswegen noch lange nicht.

somit ist timmTV für mich dann auch kein schwules fernsehen, sondern fernsehen von und für schwule.

aber eigentlich ist diese ausführung genauso unnötig wie die vielen rechtfertigungen in den vielen “schwulen” blogs. alles nur, weil die breite gesellschaft von uns schwulen (bzw. “nicht-heterosexuellen”) implizit abverlangt, uns doch zu offenbaren, DASS wir eben nicht heterosexuell sind.

da ich unter dem kommentar nicht ausufernd und abschweifend werden wollte, führe ich hier mal meine gedankenfetzen abermals zusammen — eigentlich wollte ich ja schon immer irgendwie dazu meinen senf auslassen, jetzt habe ich halt einfach mal einen anhaltspunkt gefunden.

wie also schon oben erwähnt, es gibt für mich nix schwules, außer eben männer die auf männer stehen. medien und objekte können dies nicht annehmen. sie können sich höchsten mit den themen der sexualität, speziell eben der homosexualität, beschäftigen. genauer gesagt, machen dies die betreiber und ersteller dieser medien. selbst ein blog, welches hardcore pornographie für schwule präsentiert (gibt es im englischsprachigen raum zu hauf), ist per se nicht schwul, es stellt eben nur solchen inhalt zur verfügung.

soweit sollte dieser punkt aber nun reichlich beschrieben sein, die meisten werden sicherlich mir da auch zustimmen können.

dann ging es ja nun auch um die “schwulen themen” in blogs oder anderen medien. nunja, da sieht es in deutschland bestimmt auch wirklich mager aus. selbst die bekanntesten schwulen blogger bloggen kaum schwules zeugs. aber es gibt sie dennoch, nur man(n) muss sie suchen. digitale informationen zum schwulsein und homosexualität gibt es meines erachtens genug, blogs wohl kaum.

frage: braucht es aber klein-bloggersdorf überhaupt? und: warum sollte zB ich euch den ganzen tag mit schwulem kram zudröhnen, wo ich selbst einmal nicht weiß, was das alles sein sollte. selbst die bunten stadtmagazine glänzen kaum mit massig inhalten und eher mit mehr bildern oder allgemeinem content, der nicht mal nur schwule ansprechen muss. und diese blätter kommen gerade einmal im monat und nicht öfter!

aufklärerisch muss sich auch kaum einer geben, die zig millionste coming-out-geschichte liest sich gleich wie jede davor, ob’s überhaupt hilft ist fraglich, ich habe meine phase des aus-dem-schrank-kommens eh weitesgehend hinter mir, und der ganzen welt muss ich es auch nicht direkt auf den bauch pinseln. jede/r, der/die es möchte, kann es ja hier oder anderswo durch eigene recherche erfahren.[1]

außerdem gibt es da auch bessere seiten, die es gebündelter rüberbringen als blogs. beispielsweise sei hier dbna[2] oder das recht frische gayhelp.de genannt.

was also für themen sollte ein schwuler blogger abgrasen, um überhaupt genügend stoff für jetzt und zukünftig zu haben? ich mein, tagebuch-artig das geschehen des privatlebens darzulegen, ist ja nicht so prickelnd, oder? “heute habe ich mich von rolf getrennt *heul* …”, “morgen lerne ich einen geilen kerl kennen…”, “der sex war einfach nur unbeschreiblich hammer!” und so weiter und so fort. wer will das lesen? ich jedenfalls nicht.

andererseits könnte jemand so eine art watchblog betreiben, zB die vereine und organisationen beobachten, die politik beleuchten, vertreter interviewen — aber haben wir das nicht eigentlich auch schon zu genüge in den einschlägigen medien? und wie viele schwule — besonders der jüngeren jahrgänge — interessieren sich wirklich dafür? die leserschaft wird dadurch wohl kaum mehr als wenn man gleich über herkömmliches berichtet. katzencontent lässt grüßen…

rechtfertigung zum schwulsein im blog: da könnt ich ja das kotzen kriegen!!!

nur manchmal frage ich mich, wer das für wen macht? ist das beihilfe zum eigenen coming out? proklamation des anderssein?[3]

nee, also diese standardseite nebst der personenbeschreibung, in der man(n) lang und breit erklärt, wie und wo und warum und weshalb und wodurch und warum nicht jemand schwul ist.[4] nur wem darf und kann man da die schuld geben? hat da jemand überhaupt schuld?

eines will ich dabei anmerken: die gesellschaft allein ist nicht hauptschuldig daran. es zwingt ja niemand jemanden, ausgerechnet im eigenen blog sich zu outen. oder habe ich da ein ungeschriebenes bloggergesetz verpasst? woran die gesellschaft schon eine schuld daran trägt, ist der profilierungszwang im alltag, also da draußen im echten leben neben dem computer. nur darum geht es ja jetzt nicht. und damit beschäftigen sich ja auch genügend menschen, die politik und gesellschaft dazu bringen wollen, uns queers vollständig zu tolerieren und zu akzeptieren, uns einfach gleich zu behandeln.

warum also schreiben so viele schwule blogger/seitenbetreiber, dass sie so sind wie sie sind? es ist doch auch wie im alltag: beim einkaufen, auf der arbeit, am see und sonstwo interessiert sich doch niemand im vornherein für die eigene sexualität und erfragt diese auch nicht. es wird auch gar nicht als grundvoraussetzung für weitere tätigkeiten abverlangt. warum also dieses zwanghafte mit-der-regenbogenfahne-wedeln? ich verstehe es einfach nicht!

ein resignierter schwuler blogger

nebenbei: beim schreiben habe ich einen schon etwas älteren podcast gehört: trackback vom 2007-03-03 (spreeblick/fritz). thematisch aber eben schon fast zeitlos. und hörenswert!


fußnoten:
  1. jetzt überlege ich grad, ob ich gemeiner weise einfach eine art homo-disclaimer vor jedem beitrag einbinde, damit sich jeder bewusst ist, dass er einen blog eines schwulen liest. im gleichen atemzug verlange ich es aber auch von jedem hetero-betriebenen blog! []
  2. du bist nicht allein [link] []
  3. und dabei wollen wir ja sooo anders gar nicht sein, schließlich wollen wir so gleich behandelt werden wie jede/r andere. da sollte mensch sich mal selbst hinterfragen… []
  4. gibt es das eigentlich zum beispiel bei lesben bzw. nicht-heterosexuelle allgemein auch? []

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2008dash05dash14


was wäre ich ohne… [2]

22:52 uhr

mein(e) wa(h)l…

tja, was wäre ich ohne leser? ein einsamer blogger.

und was wäre ich ohne robert b.? ein dummer blogger! und ein blogger voller sünde!

denn: wie der lieblingscomic oder die tägliche kolumne, so bereichert er auch mich mit seinen täglichen kleinen und auch mal größeren häppchen der netzkultur. er ist mein sportteil, mein feuilleton, der wirtschafts- und technikreporter, mein zucker im kaffee.

ohne ihn wäre die blogosphäre um einen guten blogger ärmer!

er ist meine erste wahl im feedreader, und ein wal* im großen meer des digitalen schreibens!

(*wale sind sehr sozial - nur mal so am rande bemerkt…)



nun “feiert” er auch seine 10.000! glückwunsch auch von mir!!!


passend dazu:
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